Letzte Woche Freitag wurde ich 36. Geburtstage im Januar sind undankbar - was bietet man Leuten an, wenn draußen alles grau ist? Dieses Jahr fiel mir wieder ein: Spielen ist mein liebstes Hobby. Und als Freelancer, der ständig abwägt, was er mit seiner Zeit Sinnvolles anstellt, komme ich viel zu selten dazu.
Also habe ich einen SLAM organisiert. Badminton, Werwölfe, Scotland Yard, Mario Kart. Ein Turnier unter Freund:innen.

Ernsthafter Sport für ernsthafte Leute.
Mario Kart hatte ich am Vorabend erst gekauft - und sofort gemerkt: Die Switch-Version spielt sich komplett anders als die N64-Version, mit der ich aufgewachsen bin. Für alle Yoshi-OGs da draußen: Hat jemand Tipps wie ich schnell besser werde?
Der schönste Moment des Abends: Mein Freund Jeff, US-Amerikaner, wurde beim Werwölfe-Spiel zum Hauptmann gewählt. Er musste plötzlich eine hitzige Diskussion auf Deutsch leiten - mit Leuten, die sich gegenseitig des Verrats beschuldigten. Herausfordernd für ihn, aber ich sah ihm an, wie viel Spaß es ihm machte. Weil er immer mehr merkte, was er doch alles versteht.
Warum ich das erzähle: Ich will mich wieder mehr mit Spielen befassen. Beruflich. Das ist der Grund für diesen Newsletter. Ich bin überzeugt: Spielen ist der beste Zeitvertreib der Welt.
Wer schreibt hier eigentlich? Ich bin Yannic, Journalist und Podcast-Produzent aus Berlin. Ich habe bei funk den E-Sports-Podcast unmuted gemacht, für Strg-F zu Cheating recherchiert und ich produziere mit Pola.Berlin Audio-Dokumentationen. Games begleiten mich seit ich denken kann. Mit Overpowered will ich erklären, was in der Gaming-Welt passiert – und warum es den Rest der Gesellschaft etwas angeht. Weiter.
Paris, Kanto.
Auf Social Media geht gerade der Trend rum, sich das Jahr 2016 anzuschauen. Für Gaming hab ich das noch nicht gesehen.
Kurze Erinnerung: 2016 erschienen Overwatch, Doom, Civilization VI. Und das Spiel, das alles veränderte: Pokémon Go.
Sommer 2016. Ich war Praktikant bei France Inter, dem öffentlich-rechtlichen Sender in Frankreich. Jeden Tag eine Stunde durch Paris gependelt. Recherchen zur Europameisterschaft der Männer. Mitten in der Journalisten-Ausbildung, zwei weitere Praktika im gleichen Jahr noch vor mir.
Zum Spielen kam ich damals kaum. Pokémon Go war das einzige Game, das ich in dem Jahr mitbekam. Es war ehrlich gesagt auch schwer, drumrum zu kommen, um den Hype.

Qu’est-ce qu’il veut??
Was ich in den Straßen Paris beobachtete: Leute, die aufs Handy glotzen, stehen blieben, sich umdrehen, suchten. Wenn man sie beobachtete, sah man sich selbst von außen. Aber zu einem Gespräch unter Trainer:innen kam es nie. Niemand wollte so richtig zugeben, dass man jetzt öffentlich zockt.
Das war auch die Veränderung: Zocken fand plötzlich draußen statt. Eine Verlagerung ins Öffentliche, die es so vorher nicht gab. Eine Studie aus Santiago zeigte später: Bis zu 13,8% mehr Menschen verbrachten nach dem Release Zeit draußen.
Mein Akku hielt nur dank Powerbank durch. Im Bus glitchte das GPS - man konnte Pokémon noch fangen, während man längst woanders abgebogen war.
Fast zehn Jahre später frage ich mich: Gab es seitdem ein Spiel, das so viel für Gaming im öffentlichen Raum getan hat? Fortnite vielleicht, aber das spielt man ja eigentlich drinnen. Pokémon Go war ein Massenphänomen auf der Straße. Seitdem: nichts Vergleichbares.
Erinnert ihr euch an Pokémon Go 2016? Wo wart ihr damals unterwegs?
Nachwuchs gesucht
Seit Januar können E-Sports-Vereine als gemeinnützig anerkannt werden. Letzte Woche gab es dazu eine Debatte im ARD Mixtalk auf Twitch.
Was mich interessiert: Warum gibt es so wenig deutschen Nachwuchs in meinem Lieblingsspiel Counter-Strike? Ändert sich das jetzt?
Das News-Portal HLTV hat letzte Woche die Top 50 der vielversprechendsten Nachwuchsspieler veröffentlicht. In der Liste ist kein Deutscher dabei.
Max Brömel leitet die E-Sports-Abteilung von Eintracht Frankfurt. Im Mixtalk sagte er:
"Momentan werden E-Sportler aus dem Kinderzimmer heraus Profis. Die werden mit 15, 16, 17 sehr, sehr gut [...] Du kannst jetzt mit 16 von heute auf morgen eigentlich ein Bruttogehalt verdienen, was deine Eltern vielleicht noch nie verdient haben"
Meine Hoffnung ist: Dass mehr Talente begleitet werden - etwa durch Initiativen wie die Esports Player Foundation. Aber ist Deutschland wirklich auf einem guten Weg?
Brömel weiter:
"Wir waren mal eine der führenden E-Sports-Nationen in Europa und sogar in der Welt"
In ein paar Wochen spreche ich mit Max für ein ausführliches Interview. Dann mehr dazu.
Übrigens: Mir werden auf Instagram seit Wochen Reels angezeigt, wie man einen
E-Sports-Verein gründet und gemeinnützig wird. Ich hoffe, die öffentliche Debatte über Chancen dreht sich um mehr als nur ums Steuersparen.
Quicksaves
Valve vor 898-Millionen-Dollar-Klage
Steam-Nutzer:innen könnten Entschädigung erhalten, wenn eine Sammelklage in Großbritannien erfolgreich ist. Der Vorwurf: Valves 30%-Provision treibt die Preise hoch - egal wo man kauft. Was das bedeutet: Plattform-Monopole wie Apple, Meta und Amazon werden jetzt auch im Gaming angegriffen.
Deutschland macht E-Sports-Diplomatie
Die deutschen Botschaften in Japan und Korea organisieren ein League-of-Legends-Turnier mit Teams aus den drei Ländern. Die Videos sind herrlich cringe - und haben mittlerweile tausende Views. 2024 gab es schon ein ähnliches Event in Tokyo, bei dem Eintracht Frankfurt gegen japanische Teams antrat. Und gewann. Plant das Auswärtige Amt mehr davon?
Stop Killing Games
Bis zum 27. Juni 2026 entscheidet die EU über eine Bürgerinitiative, die Gaming-Geschichte schreiben könnte. "Stop Killing Games" will verhindern, dass Publisher Spiele einfach abschalten dürfen.
Auslöser war "The Crew" - ein Rennspiel, das Ubisoft im März 2024 komplett abschaltete. Wer das Spiel startete, stand vor verschlossenen Türen. Ubisofts Argument: Käufer hätten nie erwarten sollen, das Spiel dauerhaft zu besitzen. Okay?
Ich recherchiere gerade für eine größere Geschichte dazu. Wenn ihr Erfahrungen mit abgeschalteten Spielen habt: Schreibt mir.
GGWP
Diese Woche hatte ich ein Video auf meiner For-You-Page. Ein Gamer erzählt, wie Gaming ihn durch COVID gerettet hat. Nicht als Zeitvertreib - als lebenswichtige Verbindung zur Außenwelt.
Ich kenne diese Sehnsucht noch gut. Auch wenn ich sie aktuell nicht fühle. Gaming ist für viele mehr als Unterhaltung. Manchmal ist es das Einzige, was tröstet.
Bis nächste Woche,
Yannic
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